Die Frühgeschichte der kanarischen Inseln

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Um die Frühgeschichte der Kanarischen Inseln ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. In der Antike ist von entfernt gelegenen, sagenumwobenen Inseln die Re­de, irgendwo im Westmeer, am Rande der Welt, wo die Sonne im Meer versinkt. Ob es sich dabei um die Kana­ren handelt, ist jedoch nicht gesichert. Nur wenige histo­risch belegte Daten sind bekannt.

Antike Dichter und Denker ließen ihrer Phantasie freien Lauf, als es darum ging, jene ferne Inselgruppe im West­meer zu charakterisieren. Da ist von den "Inseln der Glückseligen" die Rede, wo das Paradies zum Greifen nahe war, mit fruchtbaren Ländereien und einem immer­warmen milden Klima ‑ ein Paradies, in dem die Men­schen ein ruhiges und glückliches Leben führten.

In der im achten vorchristlichen Jahrhundert entstandenen Odyssee besingt Homer mit überschwenglichen Worten jene Inselgruppe:

Dort ist kein Schnee, kein Winterorkan, kein gießender Regen, Ewig wehen die Gesäusel des leise atmenden Westes, Welche der Ozean sendet, die Menschen sanft zu kÜhlen.

Auch die Römer machten sich ihre Gedanken über das von Homer besungene Inselreich.

Nicht weniger euphorisch liest es sich in Ovids Metamor­phosen, einem mythologischen Epos von beeindrucken­der Sprachgewalt:

Ewiger Frühling war's, und sanft mit lindwarmen LÜften Streichelt der Zephirwind, und ohne Samen und BlÜten, Ja, bald die Früchte gar trägt die ungepflÜgte Erde; Nicht bestellt forbt das Land sich gelb von hängenden Ähren.

Da wird erstmals der für die Kanaren fast schon zum Klischee gewordene "Ewige Frühling" erwähnt, ein mildes Klima mit Früchten und Nahrung im Uberfluß und paradie­sischen Lebensverhältnissen.

Weder Homer noch Ovid kannten die Inseln der Glück­seligen aus eigener Anschauung, was keinen daran hin­derte, sie als das Nonplusultra anzupreisen.

Eines der wenigen Völker, die in vorchristlicher Zeit nachweislich das Meer westlich der Straße von Gibraltar erkundeten, waren die Phönizier.

Von ihrem Stützpunkt Gadir, dem heutigen Cadiz im Sü­den der Iberischen Halbinsel, unternahmen die als tochtig bekannten Seefahrer bereits in der Zeit zwischen 1100 und 800 v.Chr. Entdeckungsfahrten entiang der nordwest­afrikanischen Küste.

Obwohl keine eindeutigen Zeugnisse für eine Landung vorliegen, kann man davon ausgehen, daß die Phönizier vielleicht sogar schon die kleine Insel Hierro kannten.

Von dort, mindestens aber von den östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, brachten sie die begehrte Orchilla‑Flechte mit, eine bis ins Mittelalter hinein über­aus geschätzte Färberpflanze, aus der sich ein purpur­roter Farbstoff für Wolle und Seide gewinnen ließ.

Seither werden die Kanaren oftmals mit dem Namen Pur­purinseln bezeichnet.

Um die Zeitenwende erwähnt der römische Historiker Pli­nius der Ältere (23 ‑ 79 n.Chr.) eine Expedition des maure­tanischen Königs Juba II. (gest. 23 n.Chr.).

Ob die Mauretanier die Inseln erreichten, ist ebenfalls nicht gesichert.

Nach der Uberlieferung sollen König Jubas Gesandte an der Küste riesengroße Hunde (lat. canis) gesichtet ha­ben.

Zumindest war mit den Hundeinseln wieder ein neuer Na­me geboren, wovon sich auch der Inselname Gran Cana­ria ableiten soll. Wahrscheinlicher jedoch ist, daß diese Insel ihren Namen zu späterer Zeit dem Kanarienvogel verdankt.

Die erstmals annähernd genaue Beschreibung der geo­graphischen Lage des kanarischen Archipels verdanken wir der Weltkarte des Geographen und Mathematikers Claudius Ptolemäus (85 ‑ 160 n.Chr.) aus Alexandria.

Ptolemäus legte den ersten Nullmeridian, der das westliche Ende der Welt bezeichnete, am Kap Orchilla auf Hierro an. Ganz der antiken Uberlieferung entsprechend, nannte er sie insulae fortunatae ‑ "Inseln der Glückseligen".

Rätselhafter‑ und wunderbarerweise zeigte zu dieser Zeit jedoch niemand ernsthaftes Interesse, den herrenlosen Archipel im Atiantik zu erkunden, so daß die Inseln bis zum Mittelalter vergessen blieben.

 

 

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