Guanchen - Ureinwohner der kanarischen Inseln

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Bevor die europäischen Eroberer und Sklavenhändler die Kanarischen Inseln eine nach der anderen eroberten, sollen - nach verschiedenen Quellen - 36.000 bis 100.000 Ureinwohner auf ihnen gelebt haben. Innerhalb nur eines Jahrhunderts waren Sprache und Kultur der Guanchen ausgelöscht.

Was aber geschah mit den Guanchen? Die Frage ist umstritten. Sprechen die einen von Völkermord, so  verweisen andere auf die opferreichen Eroberungskriege, die von den Spaniern eingeschleppten verheerenden Seuchen und den florierenden Sklavenhandel mit den Ureinwohnern. Als Beleg hierfür wird eine königliche Bulle aus dem Jahre 1515 angeführt, in der von lediglich noch 100 auf dem Archipel verbliebenen Guanchenmännern die Rede ist. Bald darauf, im Jahr 1541, sollen dann die letzten Guanchen in die unzugänglichen Gebirgsregionen zurückgedrängt worden und wenig später ausgestorben sein. Die Zahlen der ersten Volkszählungen auf Teneriffa und Gran Canaria aus dem Jahr 1587 scheinen dieses düstere Szenario zu bestätigen. Auf Teneriffa wurden 4.070, auf Gran Canaria 7.490 Bewohner gezählt. Die Einwohnerschaft setzte sich dazumal aus spanischen Siedlern, afrikanischen Sklaven und den verbliebenen Guanchen, die die absolute Minorität gebildet haben dürften, zusammen.

Kontrovers hierzu meinen andere, daß die Volksgemeinschaft der Guanchen während der spanischen Eroberung zwar einen Blutzoll zu entrichten hatte, aber bis auf den heutigen Tag erhalten und keinesfalls bloß eine kleine Minderheit sei. Immerhin fließe in den Adern von 90 Prozent der kanarischen Bevölkerung Guanchenblut, und auch die physischen Merkmale der Ureinwohner seien bei den meisten Insulanern anzutreffen. Trotz etlicher Ungerechtigkeiten seitens der "Einwanderer" hätten viele Tausende von Eingeborenen - ob nun als Sklaven oder Freie - an der Entwicklung einer neuen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung teilgehabt, was angesichts der deutlichen zahlenmäßigen Unterlegenheit der Siedler auch nicht weiter erstaunlich sei. Natürlich habe der Prozeß der Integration der Ureinwohner in die neue Gesellschaft Jahrzehnte in Anspruch genommen. Währenddessen "wandelten" sich die meisten Altkanarier zu Spaniern, indem sie deren Sitten und Gebräuche übernahmen - auch, um etwaiger Diskriminierung zu entgehen. Es kam zur Häufung von "Mischehen" zwischen Einheimischen und Zugewanderten. In Folge dieser ganzen Entwicklungen seien die Sprache, Kultur und das sozialpolitische Gefüge der Guanchen, letztlich auch der Begriff "Guanche", verloren gegangen, doch das Volk bestehe fort.

Ganz gleich, welche Meinung einem plausibler erscheint, wer authentische Ureinwohner sehen will, muß sich mit dem Anblick von Mumien begnügen - in den Museen von Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas und Madrid.

 

 

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