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Die Küche der kanarischen Inseln
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Die typisch kanarische Küche ist einfach, schmackhaft und reichlich. Kulinarische Hochgenüsse waren auf der abgelegenen Inselgruppe nie zu erwarten, ging es doch oft genug um's nackte Überleben. Um in Dürreperioden dem Hungertod zu entgehen, war für viele die Emigration nach Amerika oft der einzige Ausweg.
Sparsamkeit bestimmte bis zum Beginn des Tourismus den Alltag, doch bei Fiestas kommt alles auf den Tisch, was Küche und Kammern hergeben. 'Heute sind wir beisammen, heute haben wir genug zu essen - genießen wir es. Vielleicht müssen wir morgen verhungern, aber dann haben wir uns wenigstens heute noch einmal richtig sattgegessen.' Der Genuß bestand vor allem im Sattwerden; kein Wunder angesichts der Tatsache, daß in Trockenperioden, wenn auf den Feldern nichts mehr gedieh, viele von denen, die nicht auswandern konnten, den Hungertod fanden. So sind Torten und Nachspeisen auch jetzt noch in der Regel extrem süß - ein hoher Zuckerverbrauch war lange Zeit Zeichen eines Luxus, den sich die wenigsten leisten konnten.
Und was bietet die kanarische Küche? Papas arrugadas sind kleine Pellkartoffeln mit Salzkruste. Damit sich die Kruste bilden kann, werden sie mit sehr wenig Meerwasser gekocht und zum Garen mit einem Tuch abgedeckt. Dazu gibt es kräutergrüne oder pepperonirote Mojosauce (mit viel Knoblauch). Potaje (Gemüsesuppe) und Ropa Vieja ("Alte Wäsche"), ein überaus schmackhaftes Eintopfgericht, Sancocho (Dörrfisch gekocht mit Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln) und Puchero (Fleischsuppe). Darüber hinaus gibt es jeweils inseltypische Gerichte.
Grundnahrungsmittel auf allen Kanarischen Inseln war bereits bei den Ureinwohnern Gofio, geröstetes Mehl aus Mais, Gerste, Hirse oder Weizen, in Hungerzeiten auch aus Soja, Kichererbsen und Farnwurzeln zubereitet. Gofio war nicht nur relativ leicht herzustellen, sondern auch überaus praktisch. Nach bewährter Tradition wurde das Mehl im zurrón (einem Beutel aus Ziegenleder) mit Milch oder Wasser, zerbröckeltem Ziegenkäse, Honig oder manchmal auch Rum verknetet. Der dabei entstehende Teig (pella) wurde zu Stangen geknetet. Er ersetzte das Brot, verdarb nicht und machte obendrein noch satt.
Viele der einheimischen Suppen werden auch heute noch mit Gofio angedickt. Die Kinder bekommen Gofio und Zucker in die Milch gerührt, und die älteren versetzen damit manchmal den Kaffee. In der Gastronomie bekommt man Gofio kaum noch zum Probieren, wohl aber bei privaten Feiern, wobei die Einheimischen den ahnungslosen Fremden gern freundlich-bestimmt und mit verdächtig unbewegtem Gesicht einen großen Löffel voll braunem Teig schlucken lassen, der dann im Mund immer mehr wird. Wer es selbst probieren möchte, wird das bräunliche Mehl in jedem Supermarkt entdecken.
Eine lange Tradition hat auch die Herstellung von Ziegenkäse. Es gibt ihn fresco: ganz frisch, weiß und weich; tierno und curado, mit Paprika oder ohne, hellgelb, fest, und nicht zuletzt als viejo: manchmal mehrere Jahre alt, gelblich und hart wie Parmesankäse.
Je nach Saison werden in den Restaurants auch Kaninchen und Zickleinbraten angeboten. Die Jagdsaison für Kaninchen ist im September.
Fisch wurde traditionell hauptsächlich eingesalzen und getrocknet, oder gegrillt. Zu den leckersten Arten, die in den Restaurants als "Tagesfisch" angeboten werden, zählen vieja (Papageienfisch), cherne (Wrackbarsch), sama (Rotbrasse), cabrilla (Sägebarsch) und merluza (Seehecht), um nur einige zu nennen. Auch pulpos (Octopus) stammen aus den einheimischen Gewässern. Seezungen, gambas und langostinos erreichen die Kanarischen Inseln jedoch nur im tiefgefrorenen Zustand.
Tortilla und Paella sind eigentlich spanisch, ebenso wie Sangría. Tortilla ist eine Art Bauernfrühstück, Paella ist ein Safran-Reisgericht mit Fisch- und Fleischstückchen sowie Meeresfrüchten und Gemüse, das in großen Pfannen zubereitet wird. Bei Sangría-Genuß muß man mit einem schweren Kopf rechnen; sie wird aus verschiedenen Likören und Rotwein der unteren Kategorien in jedem Restaurant anders zubereitet.
Doch die Gute Küche auf den Kanaren ist längst nicht mehr nur auf die einheimische Küche beschränkt. Man kann chinesisch essen, indisch, libanesisch, in einem Steakhouse oder einer Pizzeria, Hamburger oder englisches Frühstück. Das Bestellen ist kein Problem, die Speisekarten sind meist mehrsprachig.
Das Angebot an einheimischen Weinen kann sich sehen lassen. Jede Insel hat ihren eigenen Weinanbau. Über die Grenzen des Archipels hinaus berühmt sind die Malvasier-Weine aus Lanzarote (El Grifo) und La Palma (Fuencaliente, Mazo), sowie Landweine aus Teneriffa (Icod de los Vinos) und Gran Canaria (Monte Coello). Zu den bekanntesten kanarischen Biersorten gehören Tropical, Dorada und Estrella Damm. Aber auch deutsches und dänisches Bier ist oft im Angebot.
Café solo ist ein Espresso, café con leche wird mit geschäumter, heißer Milch aufgefüllt. Café cortado ist ein Espresso mit Milch. Manche schwören auf carajillo, das ist ein Espresso mit Whisky oder Cognac. In der Regel nicht zu empfehlen ist café alemán, "deutscher Kaffee", er kommt als Filterkaffee aus der Kaffeemaschine und hat mit richtigem Kaffee oft zwar die Farbe gemeinsam, läßt aber Duft und Geschmack vermissen.
Allgemein ist das Essen im Restaurant preisgünstiger als in Deutschland, meist aber auch einfacher. Für Selbstversorger lohnt es sich, die Kosten für Lebensmittel im Supermarkt mit denen für ein Abendessen im Restaurant zu vergleichen.
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