Der Teide auf Teneriffa

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Der Anblick des weithin sichtbaren Bergkegels, noch dazu im Winter, wenn er strahlend weiß erscheint, ist schon gigantisch. Die Altvordern haben ihn respektvoll für den Uratlas gehalten, der das ganze Himmelsgewölbe zu stützen hatte und für jeden Teneriffa-Touristen bietet der Pico del Teide schon beim Anflug ein wahrhaft imposantes Bild. Wie hoch mag eigentlich dieses Vulkanmassiv sein?

Gewiss lässt sich die Höhe des Teide über einen dieser alles wissenden Reiseführer in Erfahrung bringen. Der erste greifbare legt sich mit 3.715 m fest. Zum Verifizieren wird noch nach einem anderen Büchlein gegriffen, demzufolge der Berg allerdings eine Höhe von 3.718 Metern hat. Die erstere Angabe hatte einen früheren Redaktionsschluß, also muß der Teide binnen kurzer Zeit sich um drei Meter erhöht haben. Oha, das macht doch stutzig, denn über derlei Naturereignis ward in jüngster Zeit nichts gehört. Ein nunmehr mit größter Neugier zu Rate gezogener dritter Reiseführer lindert die Konfusion mit der Angabe von 3.717 Metern auch nicht.

Schließlich bietet sich noch die Gelegenheit, in einem wissenschaftlich fundierten Werk Rat zu holen. Dort kommt der Autor nach akribischer Vermessung auf eine Gipfelhöhe von 3.730 Meter - na das ist doch der Gipfel! Dem Manne muß allerdings zugute gehalten werden, daß er auf etwas ältere Meßinstrumente angewiesen war. Er räumt in seinem 1896 erschienenen Buch zunächst zwar ein, daß die vorherrschenden meteorologischen Anomalien seine Höhenmessungen "einigermaßen beeinflusst" hätten, doch er hält daran unbeirrt fest. Zwar seien ihm Messungen des französischen Astronomen Borda aus den Jahren 1771 und 1786 bekannt, der eine Pikhöhe von 3.716 Metern ermittelt hatte, doch könne er sich weder mit diesen noch mit anderen Angaben anfreunden. Für unrichtig hält der Erstbesteiger des Kilimandscharo "nach den begleitenden Umständen die Höhenzahl 3.761 m, welche die spanische geodätische Messung vom Jahre 1863 ergeben hat. Wiewohl nun meine Messung von 3.730 m auf parallelen Basisbeobachtungen aus Santa Cruz beruht, glaube ich doch, daß in Anbetracht der am Tag meiner Gipfelmessung nicht normalen Luftdruckverhältnisse der Höhenregion mein Resultat einige Meter zu hoch ist, so dass es, wenn korrigiert, den Borda'schen Messungen sehr nahe kommt."

Solcherlei Einsicht ehrt natürlich den Wissenschaftler, so dass nun getrost den amtlichen Angaben  Glauben geschenkt werden darf welche das Wahrzeichen Teneriffas 3.718 Meter über dem Meeresspiegel ins Azurblau hineinragen lässt.  

 

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